David Pogue und der iPhone-Dieb: Jagdszenen im Internet3. August 2012

Dies ist die Geschichte von einem Star-Kolumnisten, einem gestohlenen iPhone und einer Ganovenjagd im Netz. Und ja: Die Story hat ein Happy End!

David Pogue ist das iPhone gestohlen worden – auf einer Zugfahrt von Philadelphia nach New York. Ausgerechnet Pogue, der seit Jahren regelmäßig (auf brillante Art!) die neuesten Tech-Toys für MSNBC und die New York Times bespricht. Pech für den Dieb: Nicht nur, dass sich Pogue ziemlich gut auskennt mit seinem iPhone (er hat mehrere Ratgeber* zu dem Telefon verfasst). Der Journalist kann darüber hinaus auf eine weitere, nicht zu unterschätzende Waffe zurückgreifen, die dem Ganoven noch zum Verhängnis werden soll: Pogue hat knapp 1,5 Millionen Follower bei Twitter!

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Als David Pogue den Diebstahl bemerkt, versucht er, sein gestohlenes iPhone anzurufen. Die Leitung ist tot. Pogue schickt dem Dieb Text-Nachrichten, verspricht eine Belohnung. Keine Reaktion. Der Kolumnist hat das iPhone schon abgeschrieben, da erreicht ihn plötzlich, 3 Tage später, eine automatisierte E-Mail von Apple. Der Dieb hat das Gerät offenbar wieder eingeschaltet. Das Smartphone kann nun über die Find-my-iPhone-Funktion geortet werden. Jetzt geht Pogue zum Gegenangriff über. Via Twitter ruft er seine Follower auf, ihn bei der Suche zu unterstützen:

Dazu postet er einen Screenshot mit der Landkarte aus Maryland, wo sein iPhone aktuell “als Geisel gehalten wird”. Prompt gehen die ersten Hinweise ein. Follower aus der Region beschreiben die Gegend als “edgy”. Keine gute Nachbarschaft, eine hohe Kriminalitätsrate.

“Buy a new phone and move on”, twittert Michael Klasmeier.

“just lock it remotely”, schlägt Thomas Nordlund vor.

Andere schicken Pogue die Adresse und Telefonnummer der nächstgelegenen Polizeiwache.

 

Schließlich schaltet sich das Tech-Blog Gizmodo ein, recherchiert Informationen zum Haus in dem sich das gestohlene iPhone offenbar befindet. Die Jungs von Gizmodo haben ja bekanntlich Erfahrung mit abhanden gekommenen iPhones …aber das ist eine andere Geschichte.

 

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Ein Polizist aus dem Viertel meldet sich bei dem Blog, bietet seine Hilfe an. In einer auf Gizmodo veröffentlichten Mail möchte der Cop von David Pogue wissen, ob der sein Gerät nur wieder haben will, oder ob er auch Anzeige erstatten möchte. Was der Journalist antwortet, erfahren wir nicht. Mit David Pogue zugeschaltet über Handy nähert sich die Polizeistreife dem Grundstück. Auf Kommando lässt Pogue sein gestohlenes iPhone einen 2-Minuten langen Signalton abspielen (eine Alarm-Funktion, die über Apples iCloud-Webseite aktiviert werden kann). Pogue spielt den Alarmton ab, immer und immer wieder. Doch die Polizisten hören nichts. Dann erlischt das Signal auf der Landkarte. Der mutmaßliche Dieb muss den Braten gerochen haben.

 

 

Die Beamten suchen weiter, entdecken das Gerät schließlich hinter dem Haus im Gras liegen. Die Polizeisprecherin von Prince George’s County verkündet die gute Nachricht kurz darauf via Twitter:

 

In seiner Times-Kolumne schreibt David Pogue keine 20 Minuten später, wie glücklich und dankbar er ist, dass Technik, Polizei und Follower so fantastisch zusammen gearbeitet hätten: “enough excitement for one day”, wie er resümiert.

 

Epilog:

Für mich, als passiver Beobachter, war es faszinierend, diese iPhone-Schnitzeljagd vom Suchaufruf bis zum gefundenen Gerät (etwa 6 Stunden) aus Deutschland mitzuerleben; die neuesten Tweets zu lesen, den jew. Hinweisen der Follower nachzugehen, mitzufiebern wenn Pogue beschreibt, dass die Polizisten vor Ort sind. Eine Ganoven-Jagd in Echtzeit und mit Happy End.

Was will man mehr?

 

 

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14 Kommentare
  1. Petra schreibt:

    Ganz schöner Aufwand – auch an Kosten – für ein beknacktes Handy.

    Und mit meinen 5/6 Followern bei Twitter und meiner relativen Unberühmtheit hätte man mir sonstwas klauen können, es hätte kein Schwein interessiert…
    Und ein Happy End hätte es für Ottilie Normalverbraucher auch nicht gegeben.

    • Richard schreibt:

      Mag sein. Wobei: Mir wurde mein iPhone auch mal geklaut. Hab’s ein Jahr später wieder bekommen. Irre Geschichte. Erzähle ich mal bei Gelegenheit hier.

      • Tobias schreibt:

        Bei Gelegenheit? Die ist ja wohl jetzt, also los, lieber Richard!

        Schön zusammengefasst, ich habe es auch ein wenig am Rande “live” mitverfolgen können. Schon kurios, was der ein oder ande… ehm, 1,5 Mio. Follower so ausmachen können.

        LG

  2. […] die Geschichte von einem Star-Kolumnisten, einem gestohlenen iPhone und einer Ganovenjagd im Netz: David Pogue und der iPhone-Dieb – Jagdszenen im Internet. Tja, so geht es halt mit Geräten, die ein GPS haben. Ein iPhone, iPad oder MacBook zu klauen […]