Die Schlacht um das Leistungsschutzrecht ist geschlagen – am Ende gibt es nur Verlierer. Lasst uns noch einmal jammern und dann gemeinsam nach vorne blicken.

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Na Bravo. Das haben wir mal wieder fein hingekriegt: Das Leistungsschutz-Dingsda ist da und keiner kann am Ende so wirklich happy sein. Genau genommen gehen alle als Verlierer vom Platz:

Die „Netzgemeinde“ (von Lobo jüngst rehabilitiert)

…die gemeinsam einsam bleibt und es nicht fertig bringt, ihre Kräfte zu bündeln. Auch hierzu hat Sascha im Grunde schon alles gesagt.

Die Verleger

…das Fazit von Leistungsschutzbefürworter Michael Hanfeld in der FAZ über das Image der Verlage: „tiefer in den Keller geht’s nimmer“.

Die Medienjournalisten

…die im Zuge der ganzen Auseinandersetzung ihr höchstes Gut verraten haben: ihre Glaubwürdigkeit.

Die Politiker

…die vor Springer & Co eingeknickt sind. Weder die parteiübergreifende Allianz der netzaffinen „Youngsters“, noch die altgedienten Machthaber sahen in dieser Auseinandersetzung gut aus.

Die Autoren

…die von dem angestrebten Leistungsschutzgeld keinen Cent noch einen sicheren Arbeitsplatz erwarten können.

Die Kreativen

…die aufgrund der schwammigen Formulierungen neues Ungemach von Abmahn-Kanzleien zu befürchten haben.

Die Leser

…die von allen oben Genannten neue, kreative Angebote erwarten – keine Grabenkämpfe.

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Streng wissenschaftlich ermittelt und grafisch umgesetzt von André Vatter

Was jetzt geschehen muss

Das Leistungsschutzrecht zeigt einmal mehr, dass gut gemeint in den seltensten Fällen gut gemacht ist. Es zeigt aber auch, dass die Digitale Revolution, in der wir alle stecken, nur gemeinsam gelöst werden kann – nicht, indem wir uns weiterhin gegenseitig bekämpfen.

Aus diesem Grund habe ich ein halbes Dutzend bekannte Netizens, darunter Journalisten, Werber und Verleger angeschrieben und diese gebeten, mit mir nach vorne zu blicken: Wie muss sie aussehen, die „Zeitung“ der Zukunft (on- oder offline), was müssen Medienmacher bieten, um das Publikum von unseren Diensten zu überzeugen. Alle Antworten + Diskussion über Ostern hier im Blog.

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6 Kommentare
  1. Gurke schreibt:

    „Die Zeitung der Zukunft“, klasse! Komisch nur, daß vorher noch wirklich niemand auf dieses Thema gekommen ist.

    • Richard schreibt:

      Ich denke, an diese Frage sollte man dringendst wieder erinnern, jetzt, wo sich der Rauch legt. Es geht um ein Produkt, das die Leute auch wirklich haben wollen, nicht darum, wer den besten Stellungskrieg führt. Also: Augen gerade aus und zurück an die Werkbank.

  2. Oliver schreibt:

    Ich kann die Zukunft schon recht zuverlässig vorher sagen. In der nächsten Legislaturperiode wird das Gesetz erst einmal mit Testballons vor Gerichten ausgefochten bzw. mit wilden Abmahnungen geahndet. Wie der Elefant im Porzellanladen wird dort viel Glas zu Bruch gehen. Schlechte Presse müssen sie ja eh nicht befürchten.

    Danach ist dann allen klar, dass nachgebessert werden muss. Nachbessern heißt, Verschärfung der Regeln, aber halt nur für die, die sich keine eigene Rechtsabteilung leisten können – Google wird höchsten damit drohen, Google News in Deutschland dicht zu machen. Das bringt denen eh kein Geld. Schwarz/Rot oder Schwarz/Grün werden also weiter den Radius eingrenzen, damit nicht sowas wie Meinungsfreiheit aufkommt.

    Die Opposition wird dagegen wettern, aber letzten Endes doch alles super finden, damit es vor der nächsten Wahl keine bösen Artikel mehr gibt. Wenn dann genug Zeitungen pleite gegangen sind, werden uns die wenigen Großen erzählen, dass alles besser geworden ist. Weil sie ja so gut gewirtschaftet haben und überhaupt so innovativ sind und vielleicht noch ein paar Mitarbeiter entlassen haben und dafür DPA Meldungen nur noch kopieren und nicht mal mehr umschreiben.

    Die Qualitätsjournalie kann man sowieso abhaken (siehe den Niggemeier Link). Mit Information hat das schon seit Jahren nichts mehr zu tun. Insofern haben wir alle keinen Grund zu jammern. Das LSR wird den Prozess nur beschleunigen.

    • Richard schreibt:

      Düster, allerdings denke ich, wird es nicht ganz so bitter kommen: Springer, Burda und Bertelsmann wissen, was die Stunde geschlagen hat und rüsten sich für die Neue Medienwelt. Sie werden am Ende die größten Nutznießer der Digitalisierung sein. Damit einher gehen auch neue Arbeitsplätze, das sollte man nicht vergessen.
      Dass man sich bis dahin die alten Druckerpressen durch LSR & Co subventionieren lassen will, ist zwar dreist (jeder Mittelständler hat die gleichen Probleme, muss sie aber alleine, durch Eigenkapital oder Bankkredite lösen), aus privatwirtschaftlicher Brille jedoch verständlich. Insofern: Alles richtig gemacht.

Willkommen!