Vergesst Big Brother. Vergesst die NSA. Jetzt kommt Mutti, die Mutter aller Großen Brüder. „Mother“ ist ein Vorbote für das, was  uns in Zukunft zuhause erwartet: Elektronische Totalüberwachung vom Schlafzimmer bis in den hintersten Mundwinkel. 

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Mutter weiß alles. Behauptet sie jedenfalls von sich. Mother ist eine Erfindung, die gerade auf der weltgrößten Unterhaltungselektronik-Messe in Las Vegas (CES) vorgestellt worden ist. Das 20 Zentimeter große weiße Plastik-Gespenst, eine Mischung aus Alessi-Birne und Barbapapa, ist vollgepackt mit Elektronik und soll unser Leben schöner machen.

Und das geht so:

Angeschlossen an unser Heimnetzwerk macht Mutti das, was Mütter nun mal so tun: Sie schnüffelt hinter uns her, überwacht jeden unserer Schritte und gibt zwischendurch immer wieder schlaue Ratschläge zum Besten. Sie registriert zum Beispiel, wie lange wir morgens im Bad brauchen, ob wir uns genug bewegen oder gerade wieder Redtube-Pornos im Internet gucken. Sie misst die Raumtemperatur, beobachtet unsere Essgewohnheiten, erinnert uns daran, pünktlich unsere Medikamente zu nehmen.

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Möglich machen das elektronische Kekse, die man überall in der Wohnung verteilt, respektive in der Hosentasche trägt. Diese Sensoren sind per Funk mit dem Mutterschiff verbunden und petzen Mutti rund um die Uhr, was wir gerade treiben. „Mother ist der erste Vorbote dafür, wie das Internet der Dinge eines Tages unser Leben bereichern wird“, sagt Rafi Haladjian, Entwickler des Geräts, also der Vater von Mutter und damit unser Opa. Wem das noch nicht genug ist, der kann seiner Mutter auch noch eine Stimme verpassen. Ivee ist eine Art Siri für  Smarthomes und kann auf Zuruf über 30 Kommandos zum Beispiel Licht oder Heizung steuern.

Die Zahnbürste wird zur SmartBrush

Auch sonst dreht sich auf der CES dieses Jahr alles um allerhand schlaue Geräte. SmartDingse, die uns auf Schritt und Tritt beobachten und die permanent ihre Daten über uns miteinander austauschen: Die elektronische Zahnbürste wird zur SmartBrush, analysiert wie gut wir uns die Zähne geputzt haben und vergibt anschließend Punkte (Demo-Video). Diese können via Bluetooth (höhö!) von der NSA oder gar von der AOK abgerufen werden. Man stelle sich die Schlagzeilen aus dem Jahr 2017 vor: „Zahnbürste von Merkel gehackt!“.

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Every Breath You Take

Damit nicht genug: Im Schlafzimmer der Zukunft überwacht die Nachttischlampe Aura mittels Geräusch- und Bewegungssensoren unser Schlafverhalten. Punkte vergibt sie dabei keine. Und doch dürfte die Frage „Wie war ich, Schatz?“ damit genauso der Vergangenheit angehören, wie die Frage nach dem „Wo warst Du letzte Nacht?“. Die SmartWatch am Handgelenk des Partners misst nämlich nicht nur Blutdruck, Puls und Atmung, sondern dient der misstrauischen Ehefrau auch als Lügendetektor.

Schlaue Turnschuhe, funkendes Essbesteck, Bügeleisen, mit denen man telefonieren kann – Ihr fragt: Wozu der ganze Kram? Ich bitte Euch! Erste Regel im Neuland: Niemals fragen, wozu etwas gut ist. Fragt nach Speicherkapazität, Akkulaufzeit oder meinetwegen nach den Erweiterungsmöglichkeiten – aber niemals, niemals nach dem Sinn! Wenn ein neues elektronisches Spielzeug auf den Markt kommt, einfach kaufen. Punkt. Benutzen. Doppelpunkt. Vor den Freunden damit angeben. Ausrufezeichen. Alles andere erledigt Mutter. Denn Mutti weiß, was gut für uns ist.

Gruselig oder praktisch – würdet Ihr Euer Haus vernetzen?

 
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25 Kommentare
  1. RebRob schreibt:

    Das ist der beginn eines neuen Zeitalters, dass das alte Zeitalter ablöst.
    Ohhh man, ich lese noch immer gedruckte Zeitung versuche auf Technik soweit es geht zu verzichten. Das ich aber bald eine Mutti wieder im Haus hab, Gott bewahre.

    • Richard schreibt:

      Wir sprechen uns in 10 Jahren nochmal ;-)

  2. Stefan schreibt:

    Hmm, Tex Avery wusste das auf sehr amüsante Weise schon 1949: http://vimeo.com/32889552 (Das hat mir gerade meine Küchenlampe verraten).

Willkommen!