Der Run auf die „De-Mail“-Adressen hat begonnen. . Rund 20 Anbieter sind am Start. Wozu das Ganze? Wird sich das System durchsetzen? Eine erste Vorahnung hat sich bereits bestätigt: der Anmeldeprozess könnte umständlicher kaum sein.

Auf dem ersten Blick klingt die Idee wie ein schlechter Witz aus dem Analog-Zeitalter: man schreibt eine E-Mail. Die Post druckt diese dann aus und verschickt sie in einem Umschlag an eine Post-Adresse. Mein erster Gedanke: Wollen die uns ver..schen? Was kommt als nächstes? Das Internet per Sieb-Druck und zugestellt als Post-Paket?

Weil ich unterwegs war und keine Zeit für eine eigene Recherche hatte, habe ich mich zunächst bei Twitter umgehört, was meine Follower so denken.

Hier ein paar Reaktionen:

Wie vielen von uns war auch mir die Sache suspekt. Egal: Hauptsache erstmal den eigenen Namen schützen – kostet ja nix. Die Sinnfrage kann man hinterher ja immernoch stellen.

Der ganze Vorgang beginnt harmlos, ist dann aber doch komplizierter als zunächst angenommen. Weil die Post-Webseite den Anmeldeprozess nur im Kleingedruckten und dann auch noch fehlerhaft beschreibt, habe ich schließlich bei der Post-Hotline angerufen (nur 2 Minuten gewartet und eine freundliche Call-Center-Mitarbeiterin erwischt!).

Vielleicht helfen Euch die folgenden Informationen ja weiter:

Der Anmeldeprozess am Beispiel Deutsche Post

1. Schützen des Namens

Auf der Startseite der Deutschen Post kann man sich seinen Namen schützen lassen. Die spätere ePost-Adresse setzt sich aus diesem Namen zusammen (der übrigens mit dem Namen auf dem Personalausweis übereinstimmen muss!):

Vorname.Nachname.####@epost.de

Die #### stehen für eine bis zu 4stellige Ziffer, die automatisiert und nur dann erscheint, sollte der Name bereits von einem Namensvetter registriert worden sein.

2. SMS-Code

Nun erhält man einen Code per SMS. Den trägt man auf der nächsten Seite ein. Dann heisst es: Warten.

3. Erster Brief

Nach einigen Tagen (Die Hotline wollte sich nicht auf einen Zeitraum festlegen) erhält man einen Brief per Brief-Post. Der Inhalt: Registrierungsdaten. Mit diesen geht man wieder online, trägt weitere Angaben wie Geburtsdatum und Ort etc. ein. Das Ergebnis: ein Post-Ident-Formular (als PDF) das man sich ausdrucken muss.

4. Post-Ident

Mit PDF-Ausdruck und Personalausweis geht man zur Post und schließt den Registrierungsprozess ab.

5. Zweiter Brief

Irgendwann erhält man einen neuen Post-Brief der Post mit seinen endgültigen Zugangsdaten (das Passwort kann später noch geändert werden).

6. Dritter Brief

Und nochmal Post: diesmal mit einer TAN (ähnlich wie beim Online-Banking), die gesondert verschickt wird.

7. Willkommens-SMS

Zum Schluss gibt es eine Willkommens-SMS: Man ist nun freigeschaltet.

Wozu das Ganze?

Schwer zu sagen. Der Service ist ein Vorbote für die elektronische Unterschrift, wie sie von der Bundesregierung vorgesehen ist. Man geht davon aus, dass in den nächsten 5 Jahren rund 20 Prozent aller Bundesbürger diese Form der rechtsverbindlichen Kommunikation z.B. mit Online-Händlern, Versicherungen oder Behörden nutzen werden (Quelle: Guter Hintergrund von @dborch bei. heise online).

Der Vorteil: weniger Nummern-Ziehen auf dem Amt, mehr Rechtssicherheit beim eCommerce. Der Nachteil: wer sein De-Mail-Konto nicht regelmäßig nach neuen Eingängen überprüft (die Rede ist von 3 Tagen), ist selbst schuld, wenn einem daraus Nachteile entstehen (Versäumniszuschläge etc.). Die Beweislast, dass man eine Mail nicht erhalten hat, liegt ausschließlich beim Empfänger (sehr schön zusammengefasst von. Thomas Cloer).

Die Kosten

Bei der Deutschen Post kostet das Versenden einer einfachen E-Mail (bis 20 MB) 55 cent. Als Einschreiben kostet das 1,60 Euro auch mit Rückschein. Anders als bei den reinen De-Mail-Providern (s. unten) bietet die Post alternativ auch an, E-Mails auszudrucken und in Papierform zu überbringen. Kosten sind die selben. Eine Preisliste findet Ihr hier.

Alternativen

Es gibt zahlreiche Alternativen zum ePost-Dienst der Deutschen Post. Die Rede ist von rund 20 Anbietern, die einen ähnlichen Service anbieten wollen. Deutsche Telekom, Web.de und gmx.de sind bereits gestartet, andere Anbieter stehen in den Startlöchern. Am Ende wird es wohl 2-3 Anbieter geben, die sich behaupten werden. Es ist davon auszugehen, dass Telekom und Deutsche Post dazu gehören werden.

Eure Meinung:

Sinnvoll oder nicht? Habt Ihr Euch angemeldet – und wenn ja: wo?

 
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35 Kommentare
  1. teena schreibt:

    Und das beste: Wenn die Email den Absendeserver verlässt ist diese zugestellt und gilt wie ein Einschreiben.

    Man MUSS also auch dann im Urlaub alle 2-3 Tage seine Emails checken.

    Ne danke! Dann lieber per Brief und aufm Postamt lagern lassen. Wer nicht da ist ist nicht da.

    • Richard Gutjahr schreibt:

      @teena Yep, das Internet wird langsam erwachsen. So wie wir es kennengelernt haben (weitgehend anonym & chaotisch) wird es nie wieder sein. Dies ist ein weiterer Schritt.

  2. Thomas Cloer schreibt:

    Zum Thema De-Mail empfehle ich den heute bei „heise online“ erschienenen Beitrag von @dborch. Ich habe auf meinem Blog das Wichtigste daraus exzerpiert. Und die Moral von der Geschicht‘: Mit mir nicht!

Willkommen!