Print lebt? Döpfner, Google und die Frage: Wer erschoss Winnetou? Das waren die Medientage München 2010.

Seit Generationen streiten sich die Gelehrten, wer Winnetou auf dem Gewissen hat. Ganz genau weiß das niemand, denn Karl May selbst hatte seine Erzählung mehrfach umgeschrieben. Sicher ist nur, dass der Apachen-Häuptling am Ende von Winnetou 3 erschossen wird. Ob der Mörder eine Rothaut war, oder am Ende gar ein Bleichgesicht mit europäischen Migrationshintergrund, wir werden es wohl nie mit letzter Gewissheit sagen können.

In der Rolle des Old Letterhand: Mathias Döpfner

Warum erzähle ich Ihnen das? Nun, auf den Medientagen München dreht sich heuer alles um das Wild Wild Web. Drei Tage zocken Verleger, Wellenchefs und TV-Bosse um die digitale Zukunft und darüber, wer das größte Stück Land in der Neuen Welt abbekommt. Elf Mannsbilder und eine Frau zanken sich traditionell in der sog. Elefantenrunde über Fragen wie: Wen frisst das Internet zuerst? Warum wollen die bösen Nutzer im Netz alles gratis lesen und überhaupt: wieso hat man dieses Internet nicht schon längst geteert und gefedert?

Jahr für Jahr das gleiche Ritual: Verleger und Privatsender schimpfen auf die Öffentlich-Rechtlichen, die Öffentlich-Rechtlichen schimpfen auf die Privaten und alle schimpfen sie auf Google. Google ist sowieso immer an allem schuld! Der Werbemarkt bricht ein? Google war’s! Die Zuschauer werden immer dümmer? Google war’s! Das Internet mit all seinen links, ein rechtsfreier Raum, der aus braven Zeitungsabonnenten Outlaws macht, die pöbelnd durch das Web wandern und geistiges Eigentum klauen!

Doch die Menschheit könne wieder ruhig schlafen, sagt der Mann in Springer-Stiefeln, den sie überall nur Old Letterhand nennen: Apple und das iPad habe die Verlage gerettet, so. Mathias Döpfner,. Boss der Axel-Springer AG. Damit nicht genug: der Verlagsboss will in Zukunft seine Wände. mit Tablet-Computern tapezieren! Und dann outet sich Döpfner noch als Winnetou-Fan:. „Nur wer sich dem Fortschritt nicht verweigert, wird überleben“ zitiert der 47jährige den Häuptling der Apachen, als der eine herannahende Dampflok erblickt. Ein hübsches Bild, das der Bild-Boss da bemüht. Blöd: Winnetou wird am Ende desselben Bandes erschossen. Wenigstens wissen wir jetzt von wem: von Google.

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Meine Print-Kolumne findet Ihr jeden Freitag im Kultur- und Medienteil der Münchner Abendzeitung.

Blogtipp:. Nice Bastard -. Der weiße Gentleman mit der sehr verw. Zunge

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9 Kommentare
  1. Chris schreibt:

    Großartige Wortspiel-Quote auf engstem Raum – und wie immer eine sehr unterhaltsame (und treffende) Lektüre.

  2. MacDentist schreibt:

    LOL, klasse, Richard! Geiler Blogpost – schreibst Du manchmal für Willi Astor? Wenn nicht bewirb‘ Dich :-)

Willkommen!