Facebook hat eine neue Funktion freigeschaltet, die es in sich hat: die standardisierte Gesichtserkennung. Wer nicht will, dass Fotos auf Facebook automatisiert nach seinem Gesicht abgesucht und durch Freunde verifiziert werden, kann das neue Feature ausschalten*. Sofern man die entspr. Einstellung in den „Privacy Settings“ überhaupt findet. Eine Anleitung in 7 einfachen Schritten.

*UPDATE 1: Fotoverknüpfungen nachträglich löschen (s. Punkt 7)

*UPDATE 2: Stellungnahme von Facebook (s. unten)

Du kannst keine 10 Milliarden Dollar Börsenwert schaffen, ohne ein paar Millionen Nutzern ins Gesicht zu spucken. Facebook versteht es grandios, Datenschützer rund um den Globus in kollektive Schnappatmung zu versetzen und Politikern immer wieder neue Munition zu liefern, populistische Parolen zu schwingen und Bürgernähe vorzuheucheln. In einer weiteren Nacht- und Nebel-Aktion hat Facebook nun also die Gesichtserkennung eingeführt. Zugegeben: Bei einem Unternehmen, das sich „Gesichtsbuch“ nennt, liegt das ja auch irgendwie nahe.

Facebook selbst beschreibt diesen „Service“ wie folgt:

„Wenn du auf einem Foto markiert bist, ordnen wir die Markierungen deinem Konto zu, vergleichen die Gemeinsamkeiten auf den markierten Fotos und speichern eine Zusammenfassung dieses Vergleichs. Wenn du nie zuvor auf einem Foto auf Facebook markiert wurdest, oder deine Markierungen auf allen Fotos von dir auf Facebook entfernt hast, wird diese Zusammenfassung der Informationen nicht für dich erstellt oder gespeichert.“

Oder einfacher: „Sobald wir Deine Gesichtszüge präzise genug erfasst haben, damit wir sie automatisch Deinem Namen zuordnen können, speichern wir diese biometrischen Daten. Deine Freunde helfen uns bei der Erfassung.“ Bemerkenswert: Nicht einmal Google hat sich bislang getraut, diese Technologie freizuschalten (bei Picasa kommt sie eingeschränkt zum Einsatz). Google CEO Eric Schmidt: „As far as I know, it’s the only technology Google has built and, after looking at it, we decided to stop.“

Da Mark Zuckerberg das offenbar anders sieht und scheinbar auch keine Lust hat, von seiner Post-Privacy-Philosophie („Das Konzept von Privatheit ist vorbei“) abzuweichen, müssen wir also wieder mal selbst aktiv werden, um aus der Zwangsbeglückung der Gesichtserfassung auszusteigen. Sofern man die entsprechende Einstellung in den eigenen Profil-Einstellungen überhaupt findet.

Nehmt meine Hand und haltet Euch gut fest. Wir gehen an einen dunklen Ort, hinab, in den „Keller“ der Privacy-Einstellungen von Facebook.. Aber ich denke, ich kenne den Weg…

Gesichtserkennung „Opt-Out“ in 7 einfachen Schritten:

1. Unter Konto den Menüpunkt „Privatsphäre Einstellungen“ auswählen…

2. Unten links auf . „Benutzerdefinierte Einstellung“ klicken

3. Runterscrollen bis zum Menüpunkt „Dinge, die andere Personen teilen“

4. Den Unterpunkt „Freunden Fotos von mir vorschlagen“ auswählen

5. Einstellung überprüfen („Aktiviert“ bedeutet: Gesichtserfassung ist eingeschaltet)

6. …nach dem „Sperren“ der Funktion unten rechts OK nicht vergessen

UPDATE 1: Fotoverknüfungen nachträglich löschen

Habe noch etwas entdeckt. Um bereits vorhandene Foto-Verknüpfungen zu Eurem Benutzerprofil löschen lassen zu können, müsst Ihr noch diese Seite besuchen – hier findet Ihr versteckt, ganz, ganz unten die folgenden Zeilen…

Von hier müsst Ihr eine E-Mail (!) an das „Facebook Foto-Team“ schicken!

Geschafft! …war doch ganz einfach, oder? ;-)

Nachtrag 2 (Donnerstag, 16 Uhr):

Stellungnahme von Facebook – Was tatsächlich gespeichert wird

Habe gerade mit der Sprecherin von Facebook Deutschland gesprochen. Sie hat mir versichert, dass Facebook nicht mehr in der Lage sei, Gesichter einem Nutzer zuzuordnen, sobald die Informationen gelöscht seien.. Wichtig: Hierzu genügt es nicht, einfach nur die Markierungsfunktion zu deaktivieren (wie es in vielen anderen Anleitungen heisst) – es muss zusätzlich noch eine E-Mail verschickt werden, wie weiter oben bei Punkt 7 beschrieben.

Die Facebook-Sprecherin räumte aber auch ein, dass das Unternehmen diese Informationen durchaus wieder erlangen und dann auch speichern würde, sobald man durch eine fremde oder befreundete Person auf einem Foto neu markiert wird. In diesem Fall müsse man erneut eine E-Mail schicken, um diese neue Zuordnung erneut löschen zu lassen, andernfalls sei das System sehr wohl wieder in der Lage, Fotos – ob öffentlich sichtbar oder nicht – einem Nutzerprofil zuzuordnen.

Eine Möglichkeit, seine Profileinstellungen so zu ändern, dass man generell nicht mehr markiert werden kann (und somit eine automatisierte Gesichtserkennung nachhaltig gestoppt wird), gibt es bei Facebook nicht.

Daher: Immer schön lächeln! ;-)

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77 Kommentare
  1. Thomas schreibt:

    Vielen vielen Dank für die Info ;)
    Blöde Datensammlung ^^

  2. jo schreibt:

    Das findet man wirklich nur äußerst schwierig. Das Gsichtsbuch hat Euch schon so am Abhängigkeitswickel. Alle motzen über die unsägliche privacy-Politik, aber keiner steigt aus. Schreib doch mal nen Artikel „Deshalb habe ich meinenFacebook-account gelöscht“

Willkommen!