Das Bundeskanzleramt experimentiert mit dem Web 2.0 und lässt einfache Bürger auf Angela Merkel los: „Fragen Sie die Bundeskanzlerin!“ heißt es auf dem YouTube-Kanal der Bundesregierung. Die Einsendefrist ist gerade abgelaufen, doch die Aktion treibt schon jetzt interessante Blüten…

Deutschland, Land der Denker und Kiffer. Wäre nächsten Sonntag Bundestagswahl, die Cannabis-Partei würde die Piraten vermutlich glatt in der Haschischpfeife rauchen. Aber immer der Reihe nach. „Fragen Sie die Bundeskanzlerin!“ lautet eine gemeinsame Aktion von YouTube und der Bundesregierung. Weil Fernsehen was für alte Säcke ist (ZDF-Sonnyboy Steffen Seibert hat da wohl gerade noch den Absprung geschafft), hatte der Merkel-Sprecher die Idee, junge Wähler dort abzuholen, wo sie sich wirklich aufhalten: in der Community. Oder vielleicht doch eher: in der Kommune?

Der Deutsche Hanfverband (DHV) reicht der Kanzlerin die Friedenspfeife

Von den rund 1800 eingereichten Fragen (heute ist Stichtag) „trendet“ ein Beitrag am meisten, die Frage nach der Legalisierung von Haschisch. Eingereicht wurde sie vom Deutschen Hanfverband, der über erstaunlich viele bekennende oder auch sympathisierende Kiffer verfügen muss. Ob Diätenerhöhung oder EU-Schuldenberge, keine Frage an Frau Dr. Merkel erhielt auch nur annähernd soviel Zustimmung wie die Frage nach der kontrollierten Dröhnung.

Ja, mit der direkten Demokratie im Netz ist das so eine Sache. Jeder hat die User, die er verdient. Das gilt nicht nur für Politiker, sondern auch für bekennende Schaumschläger, Spülmittel-Hersteller zum Beispiel. Unvergessen die hübsche Werbeaktion von Pril, bei der die Kunden über ein neues Flaschen-Design abstimmen sollten. Ausgerechnet der Gaga-Entwurf eines Grafikers, der ein gebratenes Hendl zeigte („Pril – schmeckt lecker nach Hähnchen“), machte das Rennen. Als Henkel sich weigerte, seine Spüli-Flaschen mit Hähnchen zu bedrucken, geriet die Mitmach-Kampagne zum Bumerang.

Das Internet mit seiner dezentralen, egalisierenden Struktur stellt uns vor die entscheidende Frage: Wieviel Demokratie verträgt ein Staat? Eine Frage, über die man nächtelang prächtig philosophieren könnte. Zum Beispiel bei einer guten, selbstgebauten Tüte.

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Update 11. Nov.: Liebe Kollegen von MEEDIA und kress – das nächste Mal bitte mit Hinweis auf den Original-Artikel. Danke.

 

 
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10 Kommentare
  1. hampelman schreibt:

    „Das Internet mit seiner dezentralen, egalisierenden Struktur stellt uns vor die entscheidende Frage: Wieviel Demokratie verträgt ein Staat?“

    Ich seh das bei solchen Show-Veranstaltungen immer so: Die nehmen mich nicht ernst, also nehm ich sie auch nicht ernst. Dann kann ich mit so nem Youtube-Quatsch auch Spaß haben.
    Es glaubt doch niemand ernsthaft, dass bei diesen Antworten was anderes rumkommt, als der übliche Politik-Blabla.

  2. Florian schreibt:

    Hallo,

    ebenso schön war die Aktion der Bud Spencer Unterführung :) Immerhin ist es ja noch ein Svhwimmbad geworden.

    Gruss

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