Der Schlag gegen 130.000 Steuerbetrüger war ein gigantischer Coup. Milliardenkonzerne wie Apple, Google, Amazon oder Starbucks kümmert das wenig. Sie zahlen so gut wie überhaupt keine Steuern. Und das völlig legal.

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Lassen Sie uns über Geld reden. Unser Steuergeld. Sie zahlen doch Steuern, oder? Ich frage deshalb, weil es mir manchmal so vorkommt, dass ich allein mit meinen Abgaben in den letzten Jahren einen Tiefbahnhof, eine Flughafen-Bauruine und halb Zypern finanziert habe.

Dass es auch anders geht, beweisen Technologie-Konzerne aus dem Silicon Valley. Apple hat nicht nur die Computerindustrie revolutioniert, sondern auch das Steuerrecht. Als zweit-profitabelstes Unternehmen der Welt zahlt Apple auf seine Milliardengewinne außerhalb der USA aktuell unglaubliche 1,9 Prozent Steuern. Für alle FDP-Wähler unter meinen Lesern, denen gerade das 7er Eisen aus der Hand gefallen ist, nochmal zum Mitschreiben: eins-komma-neun Prozent!

Möglich wird das durch einen ganz legalen Steuertrick, in Fachkreisen „Double Irish With a Dutch Sandwich“ genannt – ein doppelter Ire mit Niederländer-Sandwich. Und das funktioniert so: Apple unterhält zwei Niederlassungen in Irland. Diese beiden Tochterunternehmen gehören einer weiteren Firma mit Sitz auf den Virgin Islands. Über zwei weitere Dependancen in Luxemburg und in den Niederlanden werden Patente, Lizenzen und sonstige Einnahmen z.B. aus den iTunes-Verkäufen verrechnet.

Mit ähnlichen Methoden gelingt es auch anderen Weltkonzernen, sich vor dem Fiskus arm zu rechnen. Über seine europäische Firmenzentrale in Luxemburg vermeidet Amazon Steuerzahlungen in Milliardenhöhe. Google musste 2010 von seinen Gewinnen außerhalb der USA gerade mal 3 Prozent Steuern abführen. Die US-Kaffeehauskette Starbucks zahlte in Deutschland 2011 (bei Einnahmen in Höhe von 117 Millionen Euro) keinen einzigen Euro Ertragsteuer (Ergänzung.: man verbuchte 5,3 Mio Verluste).

starbucks_cupGeschätzte Blogleser, Steuerzahler, Mitbürger! Lasst uns auf die Barrikaden gehen! Zeigen wir den Raubtierkapitalisten, was wir von diesen Methoden halten – was genug ist, ist genug!

…vorher muss ich aber noch schnell nach Hause. Der Starbucks-Kaffee neben mir ist schon ganz kalt, außerdem erwarte ich noch eine Lieferung von Amazon: eine Schutzhülle für mein nigelnagelneues Apple MacBook.

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38 Kommentare
  1. Ich fand die Debatte kürzlich wegen Amazon sehr scheinheilig. Im Rahmen der Veröffentlichung von schikanösen Umgang mit Leiharbeitern und Knebelverträgen mit Verlagen und Autoren wurde dann ja noch die Steuerdebatte vom Stapel gelassen.

    Selbst Politiker reagierten darauf ja erbost. Dabei sollten die es doch am Besten wissen.
    Warum ist denn innerhalb der EU so etwas möglich? Amazon in Luxemburg, Apple in den Niederlanden und dann brauch in Deutschland für Umsätze kein Geld bezahlt werden?!

    Das soll verstehen wer will. Apple liefert ja wenigstens noch aus Amsterdam oder Prag, aber Amazon hat ja innerdeutsche Versandläger.

  2. jan schreibt:

    häh?!
    hallo internet, hallo 2013,
    was ist da bitte los?
    geht ihr ganz im ernst davon aus, dass steuerflucht in diesem ausmaß etwas neues oder gar etwas ungewöhnliches ist?
    Die tricks sind in der szene doch schon ewig bekannt und sie betreffen bei weitem nicht nur die großen technologiekonzerne (ganz groß übrigens auch facebook).
    Man muss für sowas auch gar nicht über den großen teich gucken, diese art von steuerflucht (ich nenne es mal so auch wenn ich das wort nicht mag), findet hierzulande ganz genau so statt, adidas etc.
    und was soll ich sagen?
    Ich würde es doch genauso machen, wenn ich die möglichkeiten hätte.
    wer zahlt schon gerne mehr als 30% vom erwirtschafteten?
    Das will doch keiner.

Willkommen!