Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast. Woher ich das weiß? Dein iPhone verrät es mir. Die Firma Apple hat ein geheimes Spionage-Protokoll in ihren iOS-Geräten versteckt. Das Gratis-Programm iPhone Tracker macht jetzt sichtbar, was wir nicht sehen sollen. UPDATE: Anleitung zum Opt Out gibt’s unten.

Ein Peilsender, den die Bürger quasi 24 Stunden am Tag mit sich herumtragen – und das auch noch freiwillig? Diktatoren, Geheimdiensten und konservativen Innenministern müssten die Tränen kommen. Apple hat in seinem iOS-Betriebssystem ein geheimes Protokoll versteckt, das es in sich hat: sämtliche Aufenthaltsorte des iPhone-Besitzers inkl. Datumsangaben werden gespeichert und auf dem Mac/PC abgelegt, wenn man das Telefon mit dem Rechner synchronisiert.

Die Daten-Experten Pete Warden und Alasdair Allen haben dieses Protokoll im Apple-Code entdeckt und ein kleines Gratis-Programm. iPhone Tracker (130 KB) für den Mac geschrieben, das die Datei auf der Festplatte aufspürt und den Inhalt auf einer Weltkarte anzeigt.

Um sich besser vorstellen zu können, was das für jeden iPhone/iPad-Besitzer bedeutet, hier eine kurze Demonstration dieses Programms an einem Freiwilligen – an mir:

Die beiden Datenexperten haben keinerlei Hinweis dafür gefunden, dass die Schnüffel-Datei vom iPhone oder vom Computer aus an Apple oder sonst eine Institution weitergesendet wird. Die bloße Existenz dieses Protokolls ist jedoch besorgniserregend.

UPDATE: Wertvoller Tipp einiger Blog-Kommentatoren (danke @Paul und @Martin) – die automatisierte Erfassung der o.g. Daten lässt sich offenbar ausschalten. Dazu in der Browserzeile auf dem iPhone/iPad die Adresse: oo.apple.com eingeben – dann sollte die folgende Meldung erscheinen:

Wichtig: man muss sich mit jedem iOS-Gerät extra austragen. Die Datensammelei ist mit iOS4 eingeführt worden (man erinnere sich an die neuen Geschäftsbedingungen) und steht offenbar im direkten Zusammenhang mit Apples Plänen, iAd-Werbebotschaften zu personalisieren / auf den jew. Kunden zuschneiden zu wollen. Wer sich per opt out abgemeldet hat, wird angeblich nicht mehr getrackt (habe ich noch nicht getestet).

Der US-Daten-Experte Alex Levinson hat in. einem Blogpost zu dem Thema geschrieben, dass es sich bei der vermeintlichen „Entdeckung“ um einen alten Hut handle. Auch er sieht keinerlei Beweis, dass Apple die Datei versendet und weist darauf hin, dass dies laut kalifornischem Gesetz verboten sei:

„I don’t think that’s a legal battle Apple wants to face considering the sale of over 100 million iDevices worldwide.“

Noch immer nicht geklärt: wozu diese Datei? Ausserdem ist nicht sicher, ob das oben geschilderte Opt Out -Verfahren tatsächlich das Sammeln und Speichern der Daten stoppt, oder ob sich das Opt Out allein auf die Verwertung eben dieser (immer noch gesammelten) Daten für iAds bezieht. Personalisierte Werbung kann sicherlich praktisch sein – im Zweifel kann es aber auch nicht schaden, diese (per default aufgezwungene) Option erst einmal zu unterbinden.

Ich bemühe mich weiter um Antworten bei Apple. Update folgt.

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88 Kommentare
  1. JG schreibt:

    Bei meinen Reisen ins Ausland wurde nichts aufgezeichnet. Das weist darauf hin, dass offenbar das Ausschalten des Daten-Roamings die Aufzeichnung unterbindet.
    Denn offenbar sind es nicht die GPS Daten sondern die Zellen der Mobilfunkverbindung die aufgezeichnet wird.

  2. m106 schreibt:

    Super Service! Ich würde mir jetzt noch so eine Schnittstelle direkt ins Netz wünschen. Quasi so wie Google-Latitude. Ernst gemeint! Ich würde ja gerne Latitude ständig benutzen, wenn es nicht so viel Akku fressen würde.

Willkommen!