Wie halten es eigentlich deutsche Unternehmen mit dem Datenschutz? Thomas Voigt, Direktor Wirtschaftspolitik und Kommunikation der Otto Group hat auf meinen letzten Blogpost geantwortet. Und ich ihm.

 

Lieber Herr Gutjahr,

meine Kollegen und mich macht sehr betroffen, was Sie bei OTTO erlebt haben. Danke, dass Sie uns darauf aufmerksam machen. Wir nehmen Ihren Erfahrungsbericht sehr ernst und sind der Sache sofort auf den Grund gegangen:

Dass Sie keine Post mehr von uns wünschen, war in Ihrem Kundenkonto bereits vermerkt. Bis die Änderungen in sämtlichen Kanälen wirksam werden, kann es wegen der Vorlaufzeiten von Printsendungen jedoch ein paar Wochen dauern. Wir nehmen Ihren Fall zum Anlass, die Prozesse weiter zu beschleunigen.

Dass meine Kollegin im Callcenter unangemessen reagiert hat, tut ihr und uns sehr leid. Auch dies werden wir zum Anlass nehmen, die vielfach gelobte Arbeit der Kollegen zu verbessern.

Ihr Kundenkonto löschen wir selbstverständlich sofort. Vorher möchten wir Ihnen aber noch Ihr Guthaben von 100 Euro per Verrechnungsscheck auszahlen – Sie haben es vor zwei Jahren als Entschuldigung für die „Mac-Preis-Panne“ erhalten und noch nicht eingelöst. Schade, dass Ihnen unser Warenangebot nicht zugesagt hat.

Mit den besten Grüßen

Thomas Voigt
Direktor Wirtschaftspolitik und Kommunikation der Otto Group

(Bei dem Text handelt es sich um einen öffentlichen Kommentar auf den vorangegangenen Blogpost)

 

 

Lieber Herr Voigt,

meine Blogleser und mich macht sehr betroffen, wie Sie bei OTTO mit sensiblen Daten umgehen. Danke, dass Sie mich durch Ihre Geschäftspraxis darauf aufmerksam machen. Ich nehme Ihre Antwort sehr ernst und bin Ihren Worten sofort auf den Grund gegangen:

Dass ich, wie Sie schreiben, keine Post mehr von Ihnen wünsche, setzt voraus, dass ich diese jemals haben wollte. Aber: Wollte ich das?

Dass ich nun auch noch den „Direktor der Wirtschaftspolitik und Kommunikation der Otto Group“ persönlich darum bitten muss, meine Daten aus Ihren Systemen zu löschen, macht mich traurig.

Dass ich mit meinem Wunsch nach informationeller Selbstbestimmung gegenüber Ihren „Vorlaufszeiten“ und internen“Prozessen“ unangemessen reagiert habe, tut mir sehr leid. Auch dies, lieber Herr Voigt, werde ich zum Anlass nehmen, Ihre vielfach gelobte Arbeit als „PR-Professional des Jahres 2009“ in Zukunft mehr zu würdigen.

Wenn Sie mein Kundenkonto dann „selbstverständlich“ gelöscht haben (ich war – ihrer Argumentation von vor 2 Jahren zufolge nie Kunde bei Ihnen, da ein Kaufgeschäft nicht zustande kam – aber hey – Schwamm drüber ;-), möchte ich Sie bitten, die 100 Euro Schweige Entschuldigungsgeld in meinem Namen an den Verbraucherzentrale Bundesverband zu spenden.

Schade, dass man immer erst an die Öffentlichkeit muss, damit Sie begreifen, dass Kundendaten keine Ware sind.

Mit den besten Grüßen

Richard Gutjahr

 


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24 Kommentare
  1. DerJochen schreibt:

    Sehr gut. Kundendaten scheinen heute echt nicht mehr so wichtig zu sein und sie werden auch dementsprechend nicht mehr gesichert.

  2. Perry schreibt:

    Oh, das ist sehr böse geschrieben aber irgendjemand muss es ja machen. Von daher bin ich froh dass du es machst, ich bin immer so leicht zu beschwichtigen :(

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