Über 73% der Deutschen sind online. Das übertrifft die Wahlbeteiligung bei der letzten Bundestagswahl*. Politik, Wirtschaft, Religion – keiner kommt mehr am Internet vorbei. Die ARD/ZDF-Onlinestudie 2011 gibt Aufschluss darüber, wer im Netz den Ton angibt und wer zu den Verlierern dieser Entwicklung zählt.

*Die Wahlbeteiligung der Bundestagswahl 2009 lag bei 72,2%

Deutschland im internationalen Vergleich

Die Zahl der Onliner in Deutschland ist gegenüber dem Vorjahr um 4% gewachsen. Damit liegen die Deutschen im europäischen Vergleich im gehobenen Mittelfeld. Vor allem die skandinavischen Länder sind mit einer Web-Durchdringung von über 80% Spitzenreiter. Jedoch stellt Deutschland aufgrund seiner großen Bevölkerungsdichte mit 52 Millionen Nutzern den größten Internet-Markt in Europa dar.

Der durchschnittliche Onliner

Das Durchschnittsalter der Deutschen Onliner liegt bei 40 Jahren. Der Anteil der Web-User unterhalb von 50 Jahren liegt bei 95%. Spannend: Auch die Generation 50+ ist mittlerweile zu 47% im Netz unterwegs (2010: 43%). Dieser Anstieg ist vor allem auf den Zuwachs bei den über-60-Jährigen zurückzuführen. Der Anteil der Internet-Nutzer der über 60-Jährigen liegt inzwischen bei 34,5% (2010: 28,2%).

Nutzungszeiten und -dauer

Das Internet ist für die Onliner fester Bestandteil ihres Medienalltags. „Gestern“ waren drei von vier Onlinern (76%) im Netz, womit das Internet inzwischen eine Tagesreichweite erzielt, die vergleichbar mit der des Fernsehens ist. Am höchsten ist die Tagesreichweite bei den 14- bis 29-Jährigen mit 86%. Bei den 30- bis 49-Jährigen liegt sie bei 75%, bei den über 50-Jährigen bei 68%. 137 Minuten widmen sich Onliner nach eigener Schätzung täglich den Web-Angeboten. Am meisten Zeit verbringen Onliner an Werktagen im Netz: 152 Minuten, am Samstag 102 Minuten, am Sonntag 97 Minuten.

Wer ist noch immer offline?

Zu den knapp 27% Offlinern gehören vor allem ältere Frauen. Unter den 50- bis 69-Jährigen sind 67% der Männer online, 57% der Frauen. Jeder dritte Über-70-jährige Mann ist online, aber nur jede zehnte 70-jährige Frau. Frauen verbringen weniger Zeit im Netz als Männer (Frauen: 123 Minuten am Tag, Männer: 150 Minuten), Ausnahme: Soziale Netzwerke und Communities, hier dominiert das weibliche Geschlecht. Männer stellen häufiger als Frauen Videos in Videoportale, betreiben häufiger Blogs, kommentieren Beiträge und Artikel im Internet häufiger. Der Anteil der Autorinnen bei Wikipedia liegt lediglich bei 10 bis 15%.

Ein weiteres Ungleichgewicht zeigt sich bei der Bildung: Jüngere und besser Gebildete melden sich im Netz deutlich häufiger zu Wort als Ältere und formal schlechter Ausgebildete.

Wendepunkt: Die mobile Nutzung

22% der deutschen Onliner verfügen inzwischen über ein Smartphone oder einen Tablet-PC. Über Handys, Smartphones oder Organizer gehen inzwischen 16% ins Netz, womit sich deren Anteil gegenüber dem Vorjahr verdoppelt hat (2010: 8%). Die Autoren der Studie sprechen hier von einem Wendepunkt: Der kontinuierliche Informationsabruf und Informationsaustausch auch unterwegs wird auch in Deutschland zur Norm.

Bedeutung Sozialer Netzwerke

43% der deutschen Onliner besitzen inzwischen ein eigenes Profil in einer Community. Knapp 23% der Gesamtbevölkerung Deutschlands sind auf Facebook aktiv (Der Anteil der Facebook- Nutzer in den USA liegt bei 48%, in Großbritannien bei 47%, Schweiz 33%, Österreich 30%). 71% der unter 30-Jährigen suchen regelmäßig „ihre“ Community auf. Im mittleren Alterssegment der 30- bis 49-Jährigen sind es „nur“ 28%. 16% der über 50-Jährigen sind in einer Community aktiv, 10% der über 70-Jährigen.

Die wöchentliche Nutzung von Online-Communities stieg von 32% (2010) auf 36% (2011). Ein Drittel der Online-Kommunikation 2010 lief über soziale Netzwerke, zwei Drittel über E-Mails und andere Plattformen wie z.B. Gesprächsforen.

Welche Inhalte sind gefragt

Unter den Inhalten, die am häufigsten im Netz abgerufen werden, rangieren akt. Nachrichten seit Jahren ganz oben. 68% der Onliner erhielten ihre Informationen über das Fernsehen, 35% über das Radio und 42% über die Tageszeitung, zu 20% aus dem Internet. Fakt ist aber auch, dass sich das Internet gerade bei den unter 50-Jährigen als aktuellstes Medium positioniert hat. Besonders attraktiv ist Bewegtbild im Netz: 68% der deutschen Onliner haben bereits Erfahrung mit Video gemacht, 51% mit Audio im Netz.

Video boomt

Zunehmend attraktiv wird das Live- und das zeitversetzte Fernsehen im Netz. Der Anteil derer, die „schon einmal live im Internet ferngesehen“ haben, stieg von 15% (2010) auf 21% (2011). Eine ähnliche Wachstumsrate zeigt das zeitversetzte Fernsehen: von 23% in 2010 auf 29% in 2011.

Bemerkenswert ist, dass Live- und On-Demand-TV im Gegensatz zu anderen multi- medialen Anwendungen zunehmend auch im mittleren und älteren Alterssegment auf Interesse stoßen: 22% der 30- bis 59-Jährigen und 23% der über 60- Jährigen haben bereits Fernsehsendungen zeitversetzt im Netz angeschaut. Der Anteil derer, die live im Internet ferngesehen haben, stieg im gleichen Zeitraum von 9% (2006) auf 30%.

Fazit:

  • Internet ist in der Mitte der Gesellschaft fest verankert
  • Auch Generationen 50+ und 60+ nutzen Internet regelmäßig
  • Meinungsführer im Netz: junge, gebildete Männer
  • Offline: ältere Frauen, bildungsferne Schichten
  • Trends: Soziale Netzwerke, Mobiles Internet, Video

Hinweis: Die gesamte ARD/ZDF-Onlinestudie 2011 findet Ihr hier.

Dir war dieser Blogpost etwas wert?

Flattr this

 
Support the author
How much would you like to contribute?
€0.50
€1
€2
€5
€10
Custom Amount:
 
Powered by

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Notwendige Felder sind mit * markiert.

27 Kommentare
  1. Pierre Dumaine schreibt:

    Ja, danke für die Zusammenfassung. Die Hälfte meiner weiblichen Facebook Kontakte spielt Farmville und so einen Müll, wundert ergo nicht das sie mehr Zeit in sozialen Netzwerken verbringen… Wenn die Studie stimmt, dürfte ich hier wohl kaum einen Konter für diese Behauptung einfahren *g*

  2. […] Gutjahr hat dazu schon was geschrieben und außerdem ein Interview mit Birgit van Eimeren […]

Willkommen!