Auf dem PC- und Telco-Markt findet ein gnadenloser Verdrängungskampf statt. Eine Schlacht um Patentrechte, strategische Partnerschaften und Marktanteile. Keiner kann sagen, wer am Ende das Rennen macht und wer noch alles auf der Strecke bleibt.

Besitzen Sie ein Smartphone? Was zur Zeit rund um diese Geräte geschieht, ist bemerkenswert. Binnen kürzester Zeit haben sich die Machtverhältnisse auf dem Handymarkt auf den Kopf gestellt. Der einstige Platzhirsch Nokia – auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit. Der Business-Primus Blackberry – abgeschlagen. Die Mobilfunksparte von Motorola, Anbieter des ersten kommerziellen Handy (-Koffers!) – kurz vor der Übernahme durch Google. Hewlett Packard / Palm hat diese Woche seinen. Abschied aus den Consumer Electronics verkündet. Wären Smartphone-Anbieter politische Parteien, so würde sich aktuell folgende Machtverteilung ergeben: Google Android 39 Prozent – Apple iOS 28 Prozent – Blackberry OS 20 Prozent – Microsoft Windows Mobile 9 Prozent – Nokia Symbian 2 Prozent.

Weil der Mobilfunkmarkt langsamer wächst und der Kunde immer anspruchsvoller wird, findet hinter den blitzend-blanken Fassaden der Tech- und Telco-Konzerne ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb statt. Dabei wird mit harten Bandagen gekämpft, und zwar mit Patentrechten. In jedem Smartphone stecken mehrere tausend geschützte Erfindungen, die wahlweise von Apple, Nokia, Samsung, HP, HTC, Kodak, Microsoft, Motorola oder Google stammen. Diese Patentrechte werden laufend missachtet und vor Gericht gegenseitig aufgerechnet. Wer die meisten (bzw. wichtigsten – s. Grafik) Patente besitzt, kann am Ende die Konkurrenz bluten lassen. So verbietet Apple beispielsweise nicht nur in Deutschland den Verkauf des Samsung Galaxy Tabs, einem Tablet Computer, der in der Tat große Ähnlichkeiten zu Apples iPad aufweist. Seit neuestem versucht Apple sogar ein EU-weites Verkaufsverbot für sämtliche Samsung-Galaxy-Produkte zu erwirken.

Anzahl der Patente der Telco-Unternehmen

Quelle: GigaOm

Vor wenigen Monaten kam in den USA ein Bündel wertvoller Patente eines insolventen Netzwerkspezialisten unter den Hammer. Am Ende dieses Multi-Milliarden-Dollar-Pokers haben sich ausgerechnet die beiden Erz-Rivalen Apple und Microsoft zu einer Art „großen Koalition“ zusammengetan, um Google zu überbieten. Auch in Deutschland führt dieser Machtkampf bisweilen zu ungewöhnlichen Allianzen: Telekom, Vodafone und O2 wollen neuerdings kooperieren, um noch vor Google und Apple ein gemeinsames Handy-Bezahlsystem auf den Weg zu bringen.

Wären Sonntag in einem Jahr Smartphone-Wahlen, die Machtverhältnisse wären undurchschaubarer denn je. Keiner kann sagen, wer am Ende das Rennen macht, wer auf der Strecke bleibt. Längerfristige Bindungen spielen beim Kauf eines Smartphones offenbar keine Rolle. Das letzte Gerücht: Apple will im Herbst seinen neusten Kanzlerkandidaten ins Rennen schicken: das iPhone 5.

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4 Kommentare
  1. […] dürfte angesichts einen möglichen Wettbietens nicht gerade billig werden. golem.de, reuters.com, gutjahr.biz (Hintergrund zum […]

  2. Micha schreibt:

    Die ganze Sache ist auf jeden Fall ziemlich spannend. Man kann wirklich nichts vorraussehen. Das ist fast so ein bisschen wie mit den ganzen Krisen heutzutage :)

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