The honeymoon is over – wir befinden uns im verflixten 7. Jahr der Social Networks, Facebook & Co sind im Alltag angekommen. Vielleicht kehrt jetzt endlich Ruhe ein in die mitunter hysterisch geführten Debatten um Sinn und Unsinn sozialer Netzwerke.

Ich bin müde. Facebook-müde. Keine Bange, ich gehöre nicht zu Polit-Posern wie unsere Verbraucherschutzministerin, die demonstrativ aus Facebook ausgetreten ist, um sich von der Presse als Jeanne D’arc des Datenschutzes feiern zu lassen: „Nimm das, Zuckerberg!“ – Nein, darum geht es nicht. Ich stelle fest: Mir wird Facebook zunehmends egaler. Eine neue Freundschaftsanfrage? Kann warten. Ich bin irgendwo markiert worden? So what, da will ich jetzt nicht rangehen.

Soziale Netzwerke kommen und gehen. Second Life, MySpace, Lokalisten, anyone? Der deutsche Facebook-Klon StudiVZ hat nach knapp sieben Jahren fertig, will im Herbst als Lernplattform Idpool.de seine Wiederauferstehung feiern. Guten Flug. Google+ ist vor einem Jahr gestartet, will bis heute über 100 Millionen Nutzer gewonnen haben. Augenwischerei, wenn man bedenkt, dass der Web-Gigant die User neuerdings dazu zwingt, einen Plus-Account anzulegen, will man Services wie Google-Mail oder Google-Docs nutzen.

Für Soziale Netzwerke gilt Wachstum um jeden Preis. Was aber, wenn man mit bald einer Milliarde Nutzer den Markt leergefischt hat? Fluch und Segen der Betreiber: Die Konkurrenz ist nur einen Klick entfernt. Sollte EU-Kommissarin Viviane Reding ihre Forderung durchsetzen, persönliche Daten exportierbar zu machen, dürfte sich der Druck auf die Platzhirsche erhöhen. User könnten dann leichter zwischen den Plattformen wechseln und ihre Daten mitnehmen, ähnlich wie man seine Telefonnummer beim Wechsel einer Telefongesellschaft behalten kann. Gleichzeitig wächst unter den Nutzern das Bewusstsein dafür, nicht zwingend überall alles von sich preisgeben zu müssen, nur weil es geht.

Wir befinden uns im verflixten 7. Jahr der Social Networks, der honeymoon is over, Facebook & Co sind in unserem Alltag angekommen. Vielleicht kehrt jetzt endlich Ruhe ein in die mitunter hysterisch geführten Diskussionen um sog. Facebook-Partys, -Morde oder -Revolutionen (Unzutreffendes bitte streichen). Das Leben ist ‚social’, das Netz nur ein Werkzeug und wir sind alle Teil davon. Richard Gutjahr gefällt das.

 
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5 Kommentare
  1. Thomas schreibt:

    Hach. Genauso ist es – wobei: in den Köpfen vieler Entscheider sind du Sozialmedien nach wie vor noch nicht angekommen.

  2. [Iro] schreibt:

    Der Hype ist tatsächlich rum. Der Gedanke geistert mir schon eine ganze Weile durch den Kopf. Als ich FB beigetreten bin, fand ich kaum eine bekannte Menschenseele, dann immer mehr Blogger und andere Extrem-Netzuser, dann so ziemlich jeden, mit dem ich in meinem Leben Mal Kontakt hatte (was wohl zu auch an einem weiteren Hype lag: Smartphones…). Es wurde gepostet auf Teufel komm raus, denn man musste ja up-to-date sein.

    Das hat sich geändert. Der Durchschnittsuser ist ganz offensichtlich zu gleich vorsichtiger und von Facebook gelangweilter geworden. Viele, die letztes Jahr noch gepostet haben, was das Leben so her gab, sind kaum noch zu sehen…

    Das ist in meinen Augen nichts Schlechtes, denn mit ein wenig Normalität wird in vielen Fällen auch die Qualität der Beiträge wieder steigen. Kaum zu glauben, was da teilweise für Müll verbreitet wurde.

    Schauen wir doch Mal, wie sich das Ganze entwickelt, auch mit Blick auf die Konkurrenz von Google. Ich selbst nutze tatsächlich beide Netzwerke, denn Google bringt für mich eine sehr gute Cloud zum Arbeiten, so dass das private und das berufliche Netzwerk wieder prima getrennt werden können…

Willkommen!