Mit iOS6 hat Apple stillheimlich die automatisierte Tracking-Funktion wieder eingeführt. Hier eine Anleitung, wie Ihr Euren Werbe-Peilsender entschärfen könnt.

Über 200 neue Funktionen verspricht das neue iOS-Betriebssystem. Eine dieser Neuerungen hat Apple wohl versehentlich vergessen, bei der letzten Produkt-Präsentation zu erwähnen: Die einst so gescholtene Tracking-Funktion ist wieder da, scharf geschaltet, mit jedem neuen iPhone bzw. Software-Update auf iOS 6. Welche Daten da genau in welcher Frequenz markiert und abgerufen werden und wie lange sie wo gespeichert bleiben, ist nicht bekannt. Fest steht, dass diese Daten zu Werbezwecken erhoben werden. Im Kleingedruckten schreibt Apple dazu:

„iOS 6 führt die Werbungs-ID ein, eine temporäre, anonyme Gerätekennung, die Apps verwenden, um Ihnen mehr Kontrolle über den Einsatz von Tracking-Methoden durch Werbefirmen zu geben. Wenn Sie festlegen, dass das Ad-Tracking eingeschränkt werden soll, dürfen Apps die Werbungs-ID nicht verwenden, um Ihnen interessenbasierte Werbung zu senden. Zukünftig werden alle Apps die Werbungs-ID verwenden müssen. In dieser Übergangsphase kann es allerdings vorkommen, dass Sie weiterhin interessenbasierte Werbung erhalten.“

Video-Demonstration von 2011: Das speichert Euer iPhone über Euch

Heimlich untergejubelt? Nein Danke.

Apple, Google und Facebook werden nicht müde, uns zu erklären, dass zielgerichtete Werbung ein 1A-Service sei. Dazu mag man stehen wie man will – meine Meinung: So lange man mir derlei Funktionen ungefragt heimlich unterjubelt, lehne ich sie ab – schon aus Prinzip. Hier nun also die Schritte, wie man den Unfug wieder abstellt:

1. Einstellungen -> 2. Allgemein -> 3. Info (ganz runter scrollen) -> 4. Werbung -> Ad-Tracking beschränken


Tricky und bestimmt rein versehentlich so formuliert: Wenn man NICHT getrackt werden möchte, muss man die Funktion aktivieren (blau). Auch der Umstand, dass das Werbe-Tracking nicht an dem Ort, wo man es vermuten sollte, nämlich unter „Datenschutz“ -> „Ortungsdienste“ versteckt platziert wurde, ist bestimmt Zufall.

1. Datenschutz -> 2. Ortungsdienste -> 3. Systemdienste (ganz unten) -> 4. Ortsabhängige iAds deaktivieren

 
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24 Kommentare
  1. Hannes Schleeh schreibt:

    Hallo Richard,

    mal wieder sehr guter investigativer Journalismus! Im Video hast Du einen Link zu dem Programm erwähnt. Ich kann diesen im Artikel leider nicht finden. Ich bin auch schon über 50 und es könnte an meinen Augen liegen. Ich wäre Dir für einen kleinen Hinweis zum Link sehr dankbar. ;-)

    Gruß aus Aresing

    Hannes

  2. Maik schreibt:

    Es gab doch Wochen vor der Veröffentlichung von iOS 6 schon Berichte über die AdvertisingID. Im Gegensatz zu iOS 5 lässt sich nun die Übermittlung immerhin abschalten. Bisher wurde statt der neuen ID die UDID übertragen, was man nicht abschalten konnte. Mit „Peilsender“ hat die ID allerdings überhaupt nichts zu tun, da durch die ID der Standort nicht übermittelt wird!?

    • Richard schreibt:

      Apple hat das explizit nicht ausgeschlossen (Ortung) – weißt Du es besser? Aus meiner Erfahrung der letzten 11 Jahre mit Apple, sollte man nicht nur darauf achten, WAS kommuniziert wird – sondern besonders darauf, was NICHT kommuniziert wird. Die Ortungsfunktion wurde beim letzten Mal EXPLIZIT als Werbefeature von Apple benannt. Zur Abschaltungs-Möglichkeit: Ja, das ist in Ordnung. Mehr noch: Alle App-Anbieter zu einem einheitlichen Tracking-Standard zu zwingen, ist sogar überaus begrüßenswert. Was NICHT geht: die Aktivierung per Default. Das hat mit Transparenz und Fairness gegenüber dem iPhone-Käufer nichts zu tun und sowas werde ich immer – egal ob bei Facebook, Google oder sonst wo ablehnen.

      • Daniel schreibt:

        Merkwürdigerweise war bei mir aber per default der Switch on, sprich Ad-Tracking beschränkt…

        • Richard schreibt:

          Merkwürdig. Sonst noch jemand, bei dem das der Fall war? (bei mir nicht). Vielleicht hat das was mit den Apps zu tun, die man geladen hat?

      • Sascha schreibt:

        Hier werden irgendwie zwei Dinge in einen Topf geworfen, die nichts miteinander zu tun haben.

        Ist diese Option nicht aktiviert, verhält sich das iPhone „wie früher“ und die absolut eindeutige Geräte-UDID wird an die Werbetreibenden übertragen, die weltweit einmalig ist. DAS ist böse. Wird diese Option aktiviert, wird eine generierte ID übertragen, die weltweit nicht eindeutig ist. Es wurde hier also von Apple nichts „heimlich“ eingeführt oder aktiviert, iOS verhält sich an der Stelle wie vorher auch. Erst die Aktivierung dieser Funktion (die sinnvoll ist, unbestritten) ändert das auf das neue Verhalten (nicht auf das alte, böse).

        Jetzt implizit darauf zu schliessen, dass das irgendeine Form der Ortung beinhaltet, weil es nicht explizit ausgeschlossen ist, ist…seltsam. Wenn man sich mal die Berichte der „richtigen“ technischen Magazine dazu anschaut, wird das Ganze vernünftig erklärt. Siehe z.B. http://www.heise.de/mac-and-i/meldung/Werbevermarkter-Geraete-ID-Ersatz-in-iOS-6-fehlerhaft-1720258.html

        Und nur so nebenbei: die Orts-Tracking-Funktion für Werbung (iAd) gibt es, ist von diesem Schalter unabhängig und lässt sich unter Einstellungen => Datenschutz => Ortungsdienste => Systemdienste => „Ortsabhängige iAds“ abschalten.

        Insofern bitte mal etwas weniger „Panik“ verbreiten und Dinge mal wirklich „richtig“ recherchieren :-)

        • Richard schreibt:

          Danke für die Präzisierung – ändern tut es nichts: Dem Nutzer wurde zwar die Möglichkeit eingeräumt, das Tracking auszuschalten, der Schalter dazu aber im tiefsten Kellerverschlag versteckt. Mal ehrlich: das ist schäbig.

          • Klaus schreibt:

            Doch, diese Erklärung von Sascha ändert sogar viel!
            Letztlich ist es ein mir (noch) unerklärlicher Hype bzw. Trend, alle iDevices und das damit verbundene Ökosystem aus Prinzip zu skandalisieren. Ohne eine plakative Skandal-Headline läuft rund um Apple nichts mehr. Nun eben das „Spyphone“.
            Sowohl die legale als auch die technische Betrachtung dieser On/Off-Switches geben das alles nicht her. Man kann es abschalten, in dem man es aktiv anschaltet. Und es ist, wie im übrigen so vieles, in den Untermenüs von iOS6 platziert. Ersetzt man dann platziert durch „verborgen“, passt das dann wieder und das Mini-Skandälchen ist geboren. Wie es bei anderen ist kann ich nicht sagen – bei mir/uns waren nach dem Update auf allen iDevices per Default der Schalter auf „On“, also aktive Unterdrückung/Beschränkung des Ad-Trackings.

            Es mag ja durchaus sein, dass Apple durch enormes Wachstum und Marktmacht den Charme der frühen Jahre, das „think different“, den Welpen- und/oder Underdog-Status verloren hat. Sicher sogar. Aber diese schleichende Verpallenbergisierung der rund um iDevices geschriebenen Blogbeiträge/Artikel im BlogOrbit, ist schon evident.

            Es gibt da einen Schalter, den man auf „On“ schalten muss um etwas „Off“ zu schalten. Dort findest Du ihn….das wäre wohl zu wenig Skandal.

          • Richard schreibt:

            Hallo Klaus. Das mit dem „Underdog“-Status hast Du gut beschrieben. Ich teile Deinen Standpunkt sogar weitestgehend – möchte aber doch eines zu bedenken geben: Was würde es Apple kosten, „ehrlich“ zu wachsen – sprich, es eben nicht wie Facebook oder Google zu tun, und Privacy-Settings per Default scharf zu schalten? Man wird nicht allein durch Größe, ohne eigenes Zutun, zu „IBM“ oder „Microsoft“. Wie schon gesagt: Ich habe gar nichts gegen verbesserte Services – nur eben nicht per Zwang oder beflissentliches Nicht-Erwähnen. Ich würde mir wünschen, man könnte die Konzerne zu mehr Datenschutz „erziehen“ – als Wettbewerbsvorteil.

          • Klaus schreibt:

            Hallo Richard! Amazon, Apple, Facebook, Google sowie in der „Peripherie“ noch alle social player wie Aroundme, Yelp, Instagram, Flipboard, ShowYou, SkyGrid und wie sie alle heissen – alle sammeln, aggregieren und profitieren von den sozialen Fußstapfen, die wir überall hinterlassen. Meine tolle DB-App (die ich in der Tat als Viel-ICE-Fahrer sehr schätze) ist zum Beispiel immer „location aware“ und weiss wann ich wohin gefahren, wo ich um welche Uhrzeit bin und wie lange ich dort geblieben und wann ich wieder zurück gefahren bin. Nutze ich noch für die letzte Strecke von Berlin nach Hause erst den RE und dann via MyTaxi (eine ebenfalls klasse App, die ich immer nutze, vor Ort wenn möglich) den „Personennahverkehr“, schaue mir auf der Fahrt nach Hause auf dem iPhone die aktuellen Mails an, sende via iMessage ein „Boah, jetzt einen Kaffee, wenn ich gleich zuhause bin“ an mein Office und mache auch noch von den nach Lebertran riechenden Dreadlocks des Taxifahrers im Gegenlicht der Abendsonne ein Foto für Instagram und Tweete ein fröhliches und multipel gehashtaggtes „coming home“ in die Welt, dann habe ich 24 Stunden meines Lebens völlig öffentlich gelebt und preis gegeben. Spinnen wir diesen Faden weiter und habe ich mir unterwegs, mit entsprechenden Gadgets, noch die Körpertemperatur sowie den Blutdruck gemessen und bin auf meine WiFi-konnektierte Waage gestiegen (die natürlich ebenfalls nach aussen kommunizieren kann), dann ist das Bild von mir sogar 3D, Technicolor und mit DolbySurround. So weit so gut, das Szenario als solches ist ja bekannt. Und durchaus mittlerweile bei vielen alltäglich. Mit individuellen Variablen, aber vom Grundsatz her sehen so die Tagesprofile von immer Menschen aus. Und wir reden hier nicht von den rein beruflich 24/7 vernetzten Kommunikationsprofis.

            Neue Services wie Passbook, die Möglichkeit unterwegs selbst digital zu bezahlen oder sogar bezahlt zu werden, das alles ist ja längst Realität und die Artikelwelle und Features über den gläsernen Smartphone-User lockt mittlerweile keinen mehr hinterm Ofen hervor. Auch knallige Akte-Sendungen und hoch-wissenschaftliche Galileo-Versuche über abgefangene Facebook-Konten, Passwort-Phishing und NFC-/Bluetooth-Attacken auf harm- und ahnungslose Zeitgenossen kann man ja mittlerweile schon nicht mehr sehen.

            Bleiben wir kurz mal bei Deinem Begriff „schäbig“. Schäbig ist eine moralische Wertung und setzt eine vorhergegangene/vorher erlebte Enttäuschung voraus. Lege ich an Apple keine besonders hohe, sondern eine absolut normale (wenn auch strikte) Messlatte des Datenschutzes und der Privatheit an, dann verhält sich Apple (in diesem Fall) sogar fast schon mustergültig – zumindest bis zum Beweis des Gegenteils. Das Geotracking „damals“ war schon in der Tat heftig und von Dir zu recht noch einmal in Erinnerung gerufen. Jetzt den hässlichen Nachbarsjungen Android mit den viel schlechteren Schulnoten und dem miserablen Benehmen als Entschuldigung für eigenes Fehlverhalten ins Feld zu führen wäre zu billig – aber durchaus einer Analyse wert. Aber wo soll das enden? Nachher kommen wir von Hölzchen auf Stöckchen und diskutieren über kriminelle Samsung-Vorständler, datenverhökernde Google-Mitarbeiter mit fröhlich-bunten Leibchen und und und. Na ja, so lange Sido dann hier nicht aufschlägt, könnte das noch ganz zivil ablaufen. Wer weiss…

Willkommen!