Kein Tag ohne neue Enthüllungen darüber, wie Staaten und Firmen uns auf Schritt und Tritt ausspionieren. Mit Data Dealer macht ein Startup aus Wien gute Miene zur globalen Totalüberwachung …und ein noch böseres Spiel.

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Irgendwo in Wien, genauer gesagt im 7. Bezirk, liegen in diesen Tagen die Nerven blank. Nur noch wenige Stunden bis sich herausstellt, ob die letzten 2 Jahre umsonst waren oder auch nicht. 50.000 Dollar müssen zusammen kommen, damit die Arbeit weiter gehen kann. Aktuell fehlen noch rund 15.000 Dollar (Kickstarter-Projekt) – und die Uhr tickt…

2011 hatte sich eine Gruppe von Programmierern, Web-Designern und Aktivisten zusammengefunden, um gemeinsam eine Art Farmville zu entwickeln, bei dem keine Kühe gemolken werden müssen, sondern Menschen (Trailer zum Spiel).

Bei Data Dealer schlüpft man in die Rolle eines Datenhändlers, der gnadenlos Jagd auf persönliche Informationen unbescholtener Bürger macht. Um möglichst lückenlose Profile seiner Opfer erstellen zu können, ist jedes Mittel recht: Gewinnspiele, Bonus-Karten, Singlebörsen, Krankenakten, Vorratsdaten und so weiter.

Alles Creative Commons

Ein gutes Dutzend Entwickler haben neben ihren eigentlichen Jobs Zeit und Geld in das Game investiert. Seit kurzem gibt es eine spielbare Demoversion in deutsch, aber auch in englisch. Eine eigene Game-Engine wurde programmiert, die Illustrationen stammen von einer befreundeten Designerin – das gesamte Spiel übrigens unter Creative Commons.

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80 Prozent des Data Dealers seien fertig, erklärt Wolfie Christl, einer der Entwickler. Um es zu Ende zu bringen, fehle nicht mehr viel. Deshalb habe man beschlossen, den Rest über eine Crowdfunding-Plattform reinzuholen. „Ein paar Hundert Kleinspender, die ein oder andere Großspende, und wir können es noch schaffen!“, so der 36jährige kämpferisch.

Segen und Fluch

Die aktuellen Ereignisse um Edward Snowden und die NSA seien Segen und Fluch zugleich. Einerseits sei das Thema jetzt in aller Munde, so Christl. Andererseits habe man sich beim Spielkonzept bislang vor allem auf das Datamining durch Firmen wie Smoogle oder Tracebook konzentriert. In einer Hauruck-Aktion wurden in den letzten Tagen Whistleblower und NSA-Boss nachgereicht.

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Keine Hoffnung?

Wozu die Menschheit noch über die Abzock-Tricks der Datenmafia aufklären, wenn am Ende ohnehin die Meereskabel angezapft werden? Man könne angesichts der jüngsten Enthüllungen aufgeben und sich sagen: Hat ja sowieso alles keinen Zweck! – „Der Weg, den wir gewählt haben, ist ein anderer“, so Wolfie Christl. „Wir glauben nicht, dass alles hoffnungslos ist, und dass man sehr wohl eine Wahl hat“.

Wenn sich nur genug Menschen darüber bewusst werden, was mit ihren Daten alles angestellt wird, werden sie vielleicht anders über den Datenschutz denken. Denn nicht nur für die Herrschenden, sondern auch für die einfachen Bürger gilt: Wissen ist Macht.

 

datalogoWer Wolfie Christl und sein Team bei der Fertigstelllung von Data Dealer unterstützen möchte – schnell rüber zu Kickstarter schauen und 1, 2 oder auch mehr Dollar spenden (Amazon-Payments). Sollte die Projektsumme in Höhe von 50.000 Dollar bis Donnerstag nicht erreicht werden, geht das Geld zurück.

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4 Kommentare
  1. […] hat dann sogar noch einer der wichtigsten Blogger Deutschland Gutjahr einen Bericht über das Projekt geschrieben und Cory Doctorow bezeichnet das Projekt als” […]

  2. In einem spannenden Finale wurde das Ziel mit 50,362 $ erreicht. Herzlichen Glückwunsch!

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