Die NSA-Affäre zeigt uns, wie anfällig selbst demokratische Staaten für totalitäre Überwachungsideologien sind. Sie führt uns aber auch vor Augen, wie erschreckend wenig Deutschland auf dem Gebiet der Zukunftstechnologien zu bieten hat.

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Deutschland, das ist Qualität. Das ist Maßarbeit. Das ist Stahl, Steinkohle und Zement. Das ist nicht: Internet, Handy und Computer. Vieles, was uns in unserem digitalen Alltag heute umgibt, wurde ursprünglich in Deutschland erfunden. Der Zuse-Computer. Die MP3-Technologie. Sämtliche Apple-Gadgets orientieren sich an dem Design früherer BRAUN-Produkte. Steve Jobs, der verstorbene Apple-Chef, konnte stundenlang von seiner deutschen Waschmaschine parlieren. Ingenieurkunst „made by Miele“ habe ihn mehr begeistert als die meisten Produkte der Neuzeit.

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Doch das sind Anekdoten von gestern. Noch mag uns die Automobilbranche, von der wir Deutsche seit gut einem Jahrhundert zehren, durch die nächsten Jahrzehnte tragen. Doch die Zukunft ist schon heute eine andere. Wir fahren Audi, BMW und Mercedes, heizen auf der A8 ohne Tempolimit Richtung Gardasee – auf den Daten-Highways der digitalen Welt fahren wir gedrosselt, Telekom und deutsche Wirtschaftslobbyistenpolitik sei dank.

Was den Breitbandausbau angeht, liegt Deutschland im OECD-Vergleich abgeschlagen hinter den Niederlanden, Norwegen oder Island. Der Anteil europäischer Unternehmen am weltweiten Informations- und Kommunikationsmarkt liegt unter zehn Prozent. Spitzenreiter sind die USA, Asien, aber auch Winzlinge wie Israel mit gerade mal halb so vielen Einwohnern wie Bayern und einem Drittel der Fläche. (vgl. Grafik – Quelle: Statista)

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Ausgerechnet die Späh-Affäre zwang die Bundeskanzlerin jetzt zu einem Eingeständnis, das sie in dieser Deutlichkeit so noch nie offen ausgesprochen hatte: Die EU, deren wirtschaftlicher Ursprung aus der Bergbau-Industrie stammt, müsse in der IT-Technologie erheblich aufholen. Sämtliche Datenknotenpunkte befänden sich fest in Händen der Amerikaner und der Chinesen. Ob das so gut sei, wage sie zu bezweifeln, so Angela Merkel diese Woche auf einem Forum.

Wissen ist Macht und wer die Daten kontrolliert, regiert die Welt. Überwachung sei wie Radioaktivität, so der Rechtsanwalt und Blogger Udo Vetter kürzlich in einem Interview. Die verheerenden Folgen zeigten sich nicht sofort. Neben dem Umweltschutz könnte sich der Datenschutz als das Mega-Thema des 21. Jahrhunderts erweisen. Die Frage ist, ob wir Deutsche die richtigen Lehren aus der Vergangenheit ziehen und ob es uns gelingt, uns neu zu erfinden.

 
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1 Kommentare
  1. Philip Engstrand schreibt:

    … bei Apple geht’s sogar noch weiter, das iPhone 1-4s basiert auf Infineon Technolgie, also der Arbeit von Leuten, die vorher entweder bei Siemens Mobile Phone rausgeworfen wurden oder deren Firmenteil transferiert wurde. Apple hat dann auf Qualcomm umgestellt, als Infineon Mobile plötzlich zu Intel gehörte, die vorher -erfolglos- selber versuchten in die Kommunikationsbranche einzusteigen.

    Und das sämtliche Datenknotenpunkte in den Händen von Amerikanern und Chinesen seien, wird man wahrscheinlich beim DE-CIX mit Erstaunen registrieren.

    Ich bin jetzt dann dieses Jahr 15 Jahre in der Mobilkommunikation tätig, und die heutige Situation ist ein Ergebnis von fortlaufenden Management Entscheidungen auf der Basis von: Wir können es nicht, die Asiaten oder Amerikaner sind einfach besser (im Halbleiter Bereich übrigens auch).

    Ohne natürlich ein Beispiel liefern zu können, was die denn eigentlich besser können.

Willkommen!