SARS-CoV-2. Keiner von uns kann heute sagen, ob es sich um eine Episode handelt oder um eine Katastrophe epochalen Ausmaßes. Übertreiben die Medien oder verharmlosen sie die Gefahr? Meldungen und Theorien, die über soziale Netzwerke die Runde machen, tragen nicht zwingend zur Beruhigung bei. Aber was erwartet man schon von Facebook, YouTube oder Twitter?

Klar, wir wissen jetzt, wie und wie lange wir uns die Hände waschen müssen und dass wir große Menschenmengen meiden sollten. Aber wie ernst die Lage wirklich ist, lässt sich nur schwer einschätzen. Manchmal habe ich den Eindruck: Je mehr ich lese, desto weniger weiß ich. 

Und doch sehe ich eine Chance in diesen Krisen-Wochen, vielleicht sogar Monaten. Das ist die Hoffnung, dass wir uns nach Panik-Verkäufen an der Börse und Panik-Einkäufen im Supermarkt alle miteinander am Riemen reißen. Runterkommen. Dass spätestens ab dem Moment, wenn wir alles andere probiert haben,  die Vernunft das Ruder übernimmt.

Dem Virus ist es egal, welches Geschlecht oder welche Hautfarbe wir haben. Es fragt nicht, wo wir studiert haben oder wie teuer unser letztes Smartphone war. Ein kollektives Erlebnis wie dieses könnte sogar einen positiven Effekt haben und unsere auseinander driftende Gesellschaft ein Stück weit wieder zusammenbringen. 

Uns daran erinnern, wie sehr unser eigenes Schicksal doch mit dem unserer Umwelt verbunden ist. Dass wir uns die Hände nicht nur für uns selbst, sondern auch für unsere Mitmenschen waschen. Dass geplatzte Festivals und Fußballspiele in leeren Stadien auf Dauer doof sind. Dass wir nur gemeinsam eine Chance haben, globale Krisen wie diese in den Griff zu bekommen. 

Das gilt übrigens auch für die Online-Welt, in der wir inzwischen große Teile unseres Lebens verbringen. Mein Appell: Lasst uns diese Zeit nutzen und auch im Netz mehr aufeinander achten. Die eigene Sprache und Lautstärke in den Kommentarspalten und auf Twitter runterregeln. Mehr zuhören, statt zutexten. Mehr Fragen stellen, als Antworten haben. Mehr Hygiene betreiben – online wie offline. Sagrotan für die Seele.

 
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1 Kommentare
  1. […] Und Richard Gutjahr schreibt unter der Überschrift Sagrotan für die Seele […]

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